Feuer (Ritual)

Ersatzobjekt

Ersatzobjekt

Höhe:ca. 300 mm
Breite:ca.70 mm
Material:Sauerstoff, Hitze
Stiftung:3. Quartal 2020
Inventarnummer:20C02

Feuer (Ritual)

Ersatzobjekt

»Das war halt so eine Umbruchphase, ich hab gemerkt, ich hab es jetzt geschafft, die ganzen Psychopharmaka abzusetzen. Ich krieg mein Leben weitgehend selbst auf die Reihe, bin nicht mehr pflegebedürftig, es ergeben sich neue Freundschaften. Als abzusehen war, dass ich eine eigene Wohnung kriege, wollte ich dann wirklich richtig Großreinemachen.«

Zitat
»Das war halt so eine Umbruchphase, ich hab gemerkt, ich hab es jetzt geschafft, die ganzen Psychopharmaka abzusetzen. Ich krieg mein Leben weitgehend selbst auf die Reihe, bin nicht mehr pflegebedürftig, es ergeben sich neue Freundschaften. Als abzusehen war, dass ich eine eigene Wohnung kriege, wollte ich dann wirklich richtig Großreinemachen.«
Ding-Geschichte (»plot«)
Sophie ging nachts im Mondschein auf einen Berg, der gegenüber ihrer früheren Schule lag. Sie hatte Dinge dabei, die für sie mit Mobbing, Gewalterfahrungen, Selbstverletzung und Psychiatrieaufenthalten verbunden waren: unter anderem Fotos, Rasierklingen, Videokassetten und amtliche Dokumente. Einen Teil übergoß sie mit Benzin und zündete sie an. Anderes zerriss sie, warf es ins Wasser oder vergrub es – alle Elemente sollten beteiligt sein.
Zum Kontext Person
Sophie besuchte eine Schule für hörgeschädigte Kinder. Dort erlebte sie psychische, physische und sexualisierte Gewalt. Kaum dass sie erwachsen geworden war, wurde sie auf Grundlage einer psychiatrischen Diagnose als erwerbsunfähig eingestuft. Sie bekam regelmäßig Psychopharmaka, in zunehmender Menge. Mit 21 Jahren erlitt sie einen Schlaganfall. Deshalb kamen weitere Medikamente dazu. Da entschied Sophie , dass sie im Interesse ihrer Gesundheit schrittweise alle Medikamente reduzieren und schließlich ganz absetzen würde. Das Datum des Tages, an dem dieses Ziel erreicht war, feiert Sophie seither als ihren »zweiten Geburtstag«.
Zum Kontext Forschung
Übergangsrituale bedürfen einer Gemeinschaft, in der die Person in ihrer neuen Identität ankommt. So gesehen erscheint es folgerichtig, dass Sophie sich seit ihrem »zweiten Geburtstag« in der Betroffenenbewegung engagiert.